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Tipps und Tricks für Stress- und Konfliktmanagement im SAP-Alltag

Warum Stress und Konflikte SAP-Projekte prägen – und wie man besser damit umgeht

Herr Waldl-Kummer, warum ist Stress- und Konfliktmanagement gerade im SAP-Alltag so ein wichtiges Thema? 

Markus Waldl-Kummer: Egal, ob SAP-Key-User, Projektleiter:innen, 1st-Level-Support-Mitarbeitende oder interne bzw. externe SAP-Consultants also alle SAP-Professionals sind Stress und Konflikten ausgesetzt. Stress und Konflikte sind wichtig und normal. Wenn eine Person zu mir kommt und sagt, in ihrem Projekt gäbe es keine Konflikte, dann brodelt es meist im Hintergrund. Ein Grund, weshalb Stress und Konflikte für SAP-Professionals an der Tagesordnung sind, ist die Tatsache, dass es häufig um Veränderungen geht. Mal sind es große, umfangreiche Migrationen, ein anderes Mal ist es eine kleine Anpassung an einem Formular. Die Bandbreite ist groß – ebenso wie das Potenzial für Stress und Konflikte. Zusätzliche Verstärker wie Zeitdruck, Budgetengpässe, Komplexität oder Ressourcenknappheit erhöhen das Stress-Level. Stress- und Konfliktmanagement sind einerseits wichtig für eine gute Work-Life-Balance. Doch im SAP-Umfeld spielen sie auch noch eine andere wichtige Rolle.

Was meinen Sie?

Durch das SAP-System werden die wesentlichen Unternehmensprozesse abgebildet. Wenn Projekt- oder Support-Personen stark durch Stress oder Konflikte belastet sind, wirkt sich das unmittelbar auf die Qualität der SAP-Lösung aus. Neben der eigenen Gesundheit und Persönlichkeit ist es deshalb für das Unternehmen entscheidend, dass die SAP-Professionals gut mit Stress und Konflikten umgehen können. Das wirkt sich nachhaltig auf die Stabilität und Effizienz der Unternehmensprozesse aus. Fehlerhafte oder schlecht konfigurierte Prozesse kosten das Unternehmen nachhaltig viel Geld. Ich sehe es deshalb als ebenso wichtig an wie die Gesundheit, dass Unternehmen diesen Prozessfaktor erkennen und in die Bildung sowie Persönlichkeitsentwicklung von SAP-Professionals investieren.

Was war Ihre persönliche Motivation, eine Masterclass speziell für SAP Professionals zu diesem Thema zu entwickeln?

Ich bringe viele Jahre Erfahrung im SAP-Umfeld mit – von der Programmierung über die Beratung bis hin zum Projektmanagement. Vor sieben Jahren habe ich zusätzlich eine Weiterbildung zum psychosozialen systemischen Berater und Coach begonnen. In dieser Zeit habe ich viele Situationen aus dem SAP-Alltag reflektiert und erkannt, dass ein anderer Umgang mit Stress und Konflikten möglich ist. Diese Erfahrungen möchte ich weitergeben. Mit der DSAG-Academy-Masterclass möchte ich einen Raum schaffen, in dem über Belastungen gesprochen wird und SAP Professionals lernen, bewusster und handlungsfähiger mit Stress und Konflikten im Alltag umzugehen.

Welche typischen Stressmuster begegnen Ihnen bei SAP-Berater:innen, Projektleitenden und Key-Usern immer wieder? 

Stressmuster sind sehr individuell und resultieren aus einer Kombination mehrerer Faktoren. Mir fällt auf, dass die Strategien ‚Ich schaffe es alleine‘ oder ‚Durchhalten‘ oder ‚Ich will es dir recht machen‘ oft vorkommen. Das hat natürlich positive Seiten, doch in einem übertriebenen Maße kann es kippen und zur Belastung werden.

Welche Rolle spielt Kommunikation in der Entstehung – aber auch in der Lösung – von Konflikten im SAP-Kontext? 

Konflikte sind per se Abweichungen von gewünschten Zielsituationen mindestens zweier Personen. Ein Konflikt ist somit grundsätzlich nichts Schlechtes, sondern etwas ganz Normales – auch im SAP-Umfeld. Es braucht Konflikte. Meiner Meinung nach gibt es manchmal viel zu wenige ausgesprochene Konflikte. Kommunikation spielt deshalb eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Lösung von Konflikten. Doch Kommunikation beginnt mit dem Verständnis für sich selbst.

Was meinen Sie damit?

Ein Beispiel: Wenn ich den SAP-Standard vertreten möchte, aber Angst davor habe, mit einer Fachabteilung in Konflikt zu geraten, kann sich dieser kalte Konflikt auf ein schlecht konfiguriertes oder modifiziertes SAP-System auswirken.

Und wie kommuniziere ich in so einer Situation gut?

Gut kommunizieren kann ich, wenn ich mir meiner Stressoren bewusst bin und auch die Kompetenz besitze, Konflikte führen zu können. Ein Qualitätsmerkmal guter SAP-Professionals ist die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen und adäquat zu kommunizieren.

Was erwartet die Teilnehmenden konkret in der DSAG-Academy-Masterclass – und was nehmen sie ganz praktisch für ihren Arbeitsalltag mit? 

n der Masterclass stehen der Austausch und die Selbstreflexion im Mittelpunkt. Es gibt viele Impulse zum Grundverständnis von Stress und Konflikten sowie Übungen, beispielsweise Atemtechniken. Wir arbeiten sowohl in der gesamten Gruppe als auch in Kleingruppen. Alles ist praktisch und konkret in Bezug auf den eigenen SAP-Arbeitsalltag. Es ist ein Austausch unter Gleichgesinnten. Ein weiteres Highlight sind die Rollenspiele bzw. Demogespräche. In diesem Setting kann das Erlernte in einem spielerischen Umfeld erprobt und erfahren werden.

Gibt es eine Übung, die besonders wirkungsvoll ist – und wenn ja, wie sieht diese aus? 

Ich bin ein Fan von Erleben und Spüren. Deshalb sind die Demogespräche in der Masterclass so wertvoll. Es ist augenöffnend in Bezug auf das eigene Verhalten und der Stress ist unmittelbar spürbar. Des Weiteren ist es besonders wirkungsvoll sich ehrlich und wesentlich zu zeigen. Die Masterclass bietet durch einen limitierten Teilnehmendenkreis eine tolle Möglichkeit sich selbst einzubringen und dadurch besonders davon zu profitieren.

Wie gelingt Ihnen persönlich der Umgang mit stressigen Situationen und komplexen Kundenprojekten? 

Wenn ich in einer Situation erkenne: ‚Aha, da ist jetzt ein Konflikt‘ oder ‚Da spüre ich gerade eine Stressreaktion in meinem Körper‘, dann habe ich sehr viel in der Hand, um damit umzugehen. Plötzlich macht es sogar Spaß, solche Situationen zu erleben und sich dabei weiterzuentwickeln, z. B. indem man im Konflikt bleibt. Ein alter Spruch aus der Resilienzforschung lautet: Ohne Stress kann keine Resilienz aufgebaut werden oder wie man auch sagen könnte – ein Flugzeug hebt gegen den Wind und nicht mit dem Wind ab.Neben dieser Erkenntnis gibt es auch die eine oder andere Methode oder Körperübung, die ich für mich regelmäßig anwende.

Welche drei bis fünf einfachen, sofort anwendbaren Methoden empfehlen Sie SAP Professionals, um Stress im Arbeitsalltag zu reduzieren? 

Gibt es eine Überforderung, dann gilt Stabilisieren. Runter mit dem Stress und zuerst einmal das Körpersystem stabilisieren. Ich empfehle da Atemtechniken oder Bewegung, um den Körper wieder aus einem Stresshormon gefluteten Umfeld zu bekommen. Auch Stressreaktionen, wie Muskelverspannungen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, erst einmal wahrzunehmen wirkt. Dann lassen sich daraus konkrete Maßnahmen ableiten. Als regelmäßige Übung um Entspannung und Anspannung in Balance zu halten, kann ich auch die progressive Muskelentspannung empfehlen. Dazu findet man im Internet viele praktische Videos. Und zu guter Letzt empfehle ich zu reflektieren, um aus Stresssituationen zu lernen und diese zu verändern. Im SAP-Kontext spreche ich da gerne von Debug yourself. Aber: Es gibt keine Wundermethode, die für alle wirkt, da Stress sehr subjektiv empfunden wird. Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf den Weg zu machen und zu lernen, die Verantwortung für einen besseren Umgang mit Stress und Konflikten selbst zu übernehmen.

Welche Gewohnheit oder Denkweise hilft Ihrer Erfahrung nach am meisten, Konflikte frühzeitig zu deeskalieren?

Ich bin kein Freund frühzeitiger Deeskalation. Gerade im SAP-Umfeld erlebe ich oft den Wunsch, Konflikte rasch aus dem Weg zu gehen. Doch genau da steckt großes Potenzial für Unternehmen und deren Prozesse. Konflikte sollten konstruktiv geführt werden, anstatt sie zu umgehen und stattdessen komplexe Software-Lösungen zu entwickeln. Nicht selten ist so manch Hard-codierte Lösung auf einen nicht geführten Konflikt zurückzuführen.

Welche Veränderungen braucht es aus Ihrer Sicht in der SAP-Projektkultur, um langfristig gesünder, konstruktiver und menschlicher zusammenzuarbeiten? 

Wir sind gesund und menschlich, wenn wir diese Seite an uns selbst und anderen wahrnehmen. Wenn der Fokus jedoch zu stark auf die Umgebung, digitale Elemente und Dauererreichbarkeit usw. gerichtet ist, nehmen wir unsere eigenen Grenzen und Werte gar nicht mehr wahr. Dann wird es auch schwierig, anderen vernünftig zuzuhören und wahrzunehmen. Ich wünsche mir deshalb eine Veränderung zu mehr Bewusstsein und Eigenverantwortung für sich selbst. Den Stress nicht als etwas Böses zu betrachten, sondern daraus zu lernen und ein guter Umgang damit zu finden.

Was bedeutet das konkret für die SAP-Projektkultur?

Es bedeutet, dass Räume geschaffen werden, in denen man sich gegenseitig zuhört und sich auch echt zeigen kann. Es muss ausreichend Raum geben, um Konflikte führen zu können, ohne dass Angst oder Dominanzverhalten es verhindern. Es braucht eine Kultur, die nicht nur die Sache, sondern auch den Menschen in den Fokus rückt.

Was wünschen Sie sich, dass Teilnehmende nach der Masterclass anders machen als davor? 

Ich wünsche mir, dass die Teilnehmenden im Seminar zumindest einen nachhaltigen Aha-Moment erleben, der ihren Alltag als SAP-Professionals verändert – hin zu mehr Bewusstheit, zu einem besseren Umgang mit Stress und zu einer wertschätzenden und mutigeren Konfliktführung.

Vielen Dank für das Gespräch!


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