DSAG-Frühjahrstagung 2026: Trends und Herausforderungen im Financial-Services-Umfeld
DSAG-Fachvorstand Stephan Hüttmann zu SAP, Regulierung und Transformation
Die DSAG-Frühjahrstagung der Banken, Versicherungen & Finanzdienstleister 2026 vom 24.–25. März in Frankenthal steht ganz im Zeichen von SAP-Transformation, Regulierung und Fachkräftemangel. DSAG-Fachvorstand Financials Stephan Hüttmann spricht im Interview über S/4HANA-Herausforderungen, den wachsenden Einfluss regulatorischer Vorgaben und warum der Austausch in der DSAG-Community gerade jetzt unverzichtbar ist.

Herr Hüttmann, welche technologischen und marktgetriebenen Trends prägen aktuell Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister am stärksten – und wo sehen Sie den größten Handlungsdruck?
Stephan Hüttmann: Ein zentrales Thema ist die S/4HANA-Umstellung. In vielen Banken laufen entsprechende Projekte, die erhebliche personelle und zeitliche Ressourcen binden. Zudem ist die E-Rechnungspflicht bis zum Ende dieses Jahres umzusetzen. Parallel gewinnt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) an Bedeutung – insbesondere zur Unterstützung von Support-Funktionen und Kernprozessen, teilweise auch in Kombination mit Prozessautomatisierungslösungen. Marktgetrieben spüren viele Unternehmen zudem den Generationenwechsel und den zunehmenden Mangel an Nachwuchskräften.
Das klingt nach einem engen Spannungsfeld zwischen aktuellen Anforderungen und Zukunftsthemen. Welche konkreten Use-Cases für KI im Kontext von SAP-Projekten sehen Sie denn im Financial-Services-Umfeld?
KI-Use-Cases im Umfeld von SAP-Projekten werden im Financial-Services-Bereich vor allem in Supportprozessen gesehen. Dazu zählt etwa die automatisierte Verarbeitung von Sondertilgungen oder Rückzahlungen, bei denen der Verwendungszweck,Betrag oder Termin nicht ganz passt, sowie die Analyse und Bearbeitung von E-Mails und anderen Schriftstücken mit einer durchgängigen Weiterverarbeitung bis in die SAP-Systeme hinein. Gleiches gilt für Anrufe, die zunehmend auch technisch unterstützt oder automatisiert bearbeitet werden. Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld ist die Verhinderung beziehungsweise Aufdeckung von Straftaten, etwa im Bereich Geldwäsche, Insider-Handel oder Versicherungsbetrug.
Sie haben es bereits erwähnt: Viele Unternehmen befinden sich mitten in der SAP-Transformation. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Einführung und Nutzung von S/4HANA im Financial-Services-Umfeld?
Die größte Herausforderung ist ganz klar die Knappheit von Zeit und Ressourcen. Hinzu kommt die richtige zeitliche Abfolge der Projekte, da die SAP- und SAP-Fioneer-Landschaften in vielen Häusern sehr groß und komplex sind. Das erfordert eine sorgfältige Planung und Priorisierung.
Gerade im Finanzsektor spielt Datenqualität eine große Rolle – etwa für Risiko-Reporting oder KI-gestützte Anwendungen. Sehen Sie hier auch Herausforderungen beim Thema Daten- und Analytics-Strategie?
Viele Institute haben bereits in Datalakes investiert. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, Daten unternehmensweit konsistent zu halten und sie strukturiert für Analysen und KI-gestützte Prozesse bereitzustellen. Entscheidend ist die Frage, wo Daten zusammengeführt, standardisiert und verantwortet werden. In diesem Kontext wird es spannend, welche Rolle die BDC übernehmen kann – insbesondere als zentrale Einheit, um Datenqualität und Nutzung für Analytics systematisch zu unterstützen.
Regulatorische Anforderungen nehmen weiter zu. Wie beeinflussen Themen wie Reporting, Nachhaltigkeit und Risikomanagement die IT- und SAP-Strategien der Unternehmen?
Regulatorische Vorgaben bestimmen heute maßgeblich Investitionsentscheidungen. Ein aktuelles Beispiel ist das Opt-Out bei der Verification of Payee, das derzeit ohne zeitliche Limitierung seitens der BaFin möglich ist. Das sorgt kurzfristig für Entlastung, bedeutet aber auch, dass entsprechende Prozessänderungen zwischen Unternehmen und Banken irgendwann zwingend umgesetzt werden müssen. Zudem erhöhen neue regulatorische Rahmenwerke wie CRR III und CRD VI den Handlungsdruck deutlich und führen dazu, dass Banken strategische Maßnahmen in der Kapital- und Geschäftssteuerung prüfen und umsetzen müssen.
Inwiefern haben Themen wie Cybersecurity, Resilienz (z. B. DORA) oder ESG-Reporting ebenfalls Einfluss auf SAP-Strategien?
Themen wie Cybersecurity und Resilienz haben einen direkten Einfluss auf SAP-Strategien. Insbesondere bei der Absicherung von Systemen wird die Make-or-Buy-Frage immer relevanter, da der Aufwand und die Kosten für Security in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Mit DORA rückt zudem die Frage in den Fokus, wie gut Unternehmen prozessübergreifend aufgestellt sind, um im Krisenfall schnell, koordiniert und gezielt reagieren zu können.
Welche Rolle spielen SAP und SAP Fioneer aktuell für Banken und Versicherungen – und wo besteht aus Branchensicht noch Optimierungspotenzial?
SAP und SAP Fioneer sind für die Finanzindustrie wichtige Lösungspartner. Aus Branchensicht wäre eine gemeinsame, klar abgestimmte Roadmap sehr wünschenswert. Ebenso wichtig ist eine frühzeitige und transparente Kommunikation darüber, wie regulatorische Anforderungen künftig umgesetzt und unterstützt werden.
Wie wichtig ist ein stärkeres Ökosystem-Denken – etwa mit FinTechs, Cloud-Anbietern oder RegTech-Partnern rund um SAP-Lösungen?
Ein stärkeres Ökosystem-Denken gewinnt klar an Bedeutung. Mit KI stehen wir vor einer neuen Stufe der Automatisierung, bei der Leistungserstellung ohne menschlichen Eingriff möglich wird. Voraussetzung dafür ist eine durchgehende Bearbeitung ohne Systembrüche sowie eine systemübergreifende Datenhaltung. Damit entsteht einw vollständig vernetzte Systemlandschaft – und genau hier sind alle Software-Anbieter gefordert, diese Anforderungen entsprechend zu unterstützen.
Wie wichtig ist heute die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereich, um Transformations- und Innovationsprojekte erfolgreich umzusetzen?
Angesichts deutlich verkürzter Umsetzungszeiten und einer angespannten Ressourcenlage ist ein agiles Setup unverzichtbar. Die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereich wird daher immer mehr zum Standard – zumindest auf Projektebene.
Warum ist der Austausch innerhalb der DSAG-Community gerade in Zeiten von Transformation und Unsicherheit so wertvoll für Unternehmen der Financial-Services-Branche?
Die DSAG bietet einen geschützten Raum, in dem Probleme, Herausforderungen und Lösungswege offen und unternehmensübergreifend diskutiert werden können. Gerade in Zeiten von Transformation und Unsicherheit ist dieser Austausch besonders wertvoll.
Wo sehen Sie aktuell die größten Möglichkeiten für Anwenderunternehmen, über die DSAG gezielt Einfluss auf Produktstrategien und Weiterentwicklungen bei SAP zu nehmen?
Es braucht stärker gebündelte Anforderungen. Banking ist ein sehr etabliertes Geschäftsmodell, das sich dennoch kontinuierlich wandelt. Neue Anforderungen und Services können von Software-Herstellern nur dann zeitnah umgesetzt werden, wenn der Bedarf klar erkennbar und deutlich artikuliert wird. Gleiches gilt auch für Versicherungen mit ihren spezifischen Anforderungen.
Wie gelingt der Brückenschlag zwischen operativen „Pain Points“ und DSAG-Influencing, damit Anwender wirklich gehört werden?
Ganz klar: durch Bündelung. Nur wenn Anforderungen gebündelt vorgebracht werden, werden SAP und SAP Fioneer entsprechende Ressourcen allokieren und damit die Lösungen für die Banken, Versicherer und Finanzdienstleister noch besser nutzbar machen.
Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht für Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister, die DSAG-Frühjahrstagung 2026 zu besuchen – und welchen konkreten Mehrwert dürfen die Teilnehmenden erwarten?
Teilnehmende erhalten Informationen aus erster Hand und haben die Möglichkeit, eigene Ideen, Anforderungen oder auch konkrete Probleme zu diskutieren. Genau dieser Mix aus Wissenstransfer und Networking macht den besonderen Mehrwert der DSAG-Frühjahrstagung aus
Vielen Dank für das Gespräch!
DSAG-Frühjahrstagung der Banken, Versicherungen & Finanzdienstleister 2026
Die DSAG-Frühjahrstagung der Banken, Versicherungen & Finanzdienstleister 2026 bringt vom 24.–25. März im Congressforum Frankenthal Branchenexpert:innen, SAP-Anwender:innen und Lösungsanbieter zusammen. Erleben Sie Keynotes im Plenum, praxisnahe Fachvorträge, interaktive Formate und spannende Erfahrungsberichte, die Ihre SAP-Projekte voranbringen. Ob IT oder Fachbereich, von Basisadministrator:innen bis IT-/Fachverantwortlichen: Die DSAG-Frühjahrstagung bietet für jeden etwas.
Von BCA & TRBK inklusive Zahlungsverkehr, CML & CMS, über Finance im Banking bis zu Architekturthemen, stehen praxisnahe Inhalte im Fokus, die gemeinsam mit Expert:innen aus SAP, SAP Fioneer, Partnern und der DSAG-Community diskutiert werden können. Ergänzt wird die Frühjahrstagung durch eine Abendveranstaltung, die viel Raum für Networking verspricht, und ein Plenumsprogramm mit Speaker:innen, die interessante Vorträge bereithalten.
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