Recap: DSAG-Infotage Healthcare 2025
Fokus auf KIS-Strategien und Ausblick des DSAG-Arbeitskreises Healthcare 2026
Die DSAG-Infotage Healthcare 2025 bieten als die relevante Veranstaltung Einblicke in die SAP IS-H-Nachfolge, neue KIS-Strategien und Patientenabrechnung unter SAP S/4HANA. Gleichzeitig stehen sie für die kontinuierliche Arbeit des DSAG-Arbeitskreises Healthcare, der im Jahr 2025 wieder zentrale Themen vorangetrieben und Orientierung geschaffen hat und das auch im kommenden Jahr fortsetzen wird.

Rückblick auf die DSAG-Infotage Healthcare 2025
Die DSAG-Infotage Healthcare 2025 am 04. und 05. November in St. Leon-Rot boten erneut als relevanteste Plattform für Austausch, Orientierung und strategische Einordnung der Entwicklungen rund um die IS-H-Nachfolge, neue Krankenhausinformationssysteme (KIS) und die Patientenabrechnung unter S/4HANA. 200 Teilnehmende folgten der Einladung, um gemeinsam mit Kliniken, Herstellern und SAP-Anwender:innen in Dialog zu treten – und das in einem für die Healthcare-IT weiterhin sehr angespannten Marktumfeld.
Interoperabilität und neue Krankenhausinformationssysteme (KIS)
Für Michael Pfeil, DSAG-Arbeitskreissprecher Healthcare, waren die Infotage erneut ein bedeutender Orientierungspunkt. Sein Fazit: „Volles Haus, super Gespräche, perfekter Ort fürs Netzwerken.“ Der inhaltliche Fokus lag auf neuen Krankenhausinformationssystemen sowie der Patientenabrechnung. Nachdem einige Nachfolgelösungen bereits im Mai 2024 erstmals vorgestellt wurden, ermöglichten diese Infotage nun tiefere Einblicke in Entwicklungsstände, Projektpraxis und Integrationsszenarien. Besonders hervorzuheben war auch dieses Mal wieder der Austausch auf Augenhöhe zwischen Kliniken, KIS-Herstellern und SAP-Anwenderunternehmen. Das bewährte Kongressformat und der starke Partnerauftritt trugen laut Pfeil wesentlich zum Erfolg bei. „Wichtige Impulse setzte auch die hochrangig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema Interoperabilität. Die Diskussionsteilnehmenden gaben wichtige praxisorientierte Hilfestellungen“, so Pfeil.
Hoher Handlungsdruck durch SAP IS-H-Abkündigung
Die Abkündigung von SAP IS-H prägte auch dieses Mal wieder die Veranstaltung und zeigte, wie stark der daraus resultierende Druck die strategischen Entscheidungen der Kliniken beeinflusst. Im Mittelpunkt standen deshalb die Strategien der Hersteller sowie die Frage, wie weit die angekündigten Nachfolgelösungen tatsächlich sind. Immer wieder wurde der Reifegrad der Systeme beleuchtet. Für zusätzliche Unsicherheit sorgte die Ankündigung zentraler Anbieter, künftig keine alternativen Abrechnungslösungen mehr unterstützen zu wollen. Diese Entwicklung trifft viele Kliniken unvorbereitet. Gleichzeitig zeigte sich, dass Interoperabilität das Schlüsselthema ist – hier, so Pfeil, hätten die Hersteller „die nötigen Commitments gegeben“.
Nachfolgelösungen zwischen Potenzial und Feinjustierung
Die vorgestellten KIS-Nachfolger zeigten ein breites Spektrum an Ansätzen, die weiterhin eng an SAP-basierte Abrechnungsprozesse angebunden sind. Pfeil ordnet viele der präsentierten Lösungen als „Lösungen im Entwicklungs- oder Einführungsstadium“ ein. Dass die Branche in Bewegung ist, wurde deutlich. Das Potenzial ist aus DSAG-Sicht hoch, doch die Zeitpläne müssten vielerorts noch präzisiert werden. Besonders wertvoll sind in dieser Phase konkrete, praxiserprobte Kundenprojekte, die echte Einblicke in Umsetzbarkeit und Reife geben. „Solche Beispiele liefern Kliniken Orientierung und stärken das Vertrauen in die Entwicklungsrichtung des Marktes“, sagt Pfeil.

Prägende Vorträge – von realen Projekten bis zu Visionen
Inhaltlich gehörten für Pfeil daher insbesondere die Beiträge von Avelios Medical und ATSP zu den eindrücklichsten Vorträgen der DSAG-Infotage Healthcare. „Avelios Medical will ein vollständig neu entwickeltes, cloudbasiertes KIS bieten, das auf einer modularen Microservices-Architektur und einer semantisch annotierten, strukturierten Datenbasis aufbaut“, so Pfeil. Gleichzeitig überzeugte ATSP die Infotage-Teilnehmenden durch erste laufende Projekte – allen voran am Uniklinikum Tübingen, wo auf S4.health als IS-H-Nachfolgelösung gesetzt wird. „Diese Lösung basiert auf SAP S/4HANA und richtet sich insbesondere an Kliniken, die ihre bisherigen Prozesse und Investitionen weitgehend erhalten möchten. Es war für uns sehr spannend, hier realistische Einschätzungen zur Praktikabilität zu erhalten“, sagt Pfeil. Zudem zeigten die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellten Lösungen bereits erste KI-Anwendungen. Die Vorträge deckten damit ein breites Spektrum ab – von konkreten, bereits realisierten Ansätzen bis hin zu weiterführenden Visionen – und machten deutlich, dass die Kundenbedarfe zunehmend ernst genommen werden.
Der Markt bewegt sich – aber der Druck bleibt hoch
Pfeil beschreibt die Resonanz aus Kliniken und Partnerkreisen so: „Der Markt bewegt sich, erste Kundenprojekte laufen an und es herrscht Offenheit für die Anpassung der Lösungen an Kundenbedarfe. Doch gleichzeitig bleibt die Lage im DACH-Raum angespannt aufgrund des hohen Kostendrucks und verwirrender Aussagen zum Wartungsende von IS-H und i.s.h.med.“ Gleichzeitig gilt aus DSAG-Sicht zu beachten, dass die Ressourcen knapp sind, denn Anbieter können nur sehr begrenzt Kundenprojekte umsetzen. Hierzu hat der Impulsvortrag der Schweizer Interessenvertretung SSAGK zu der Situation im Alpenland sehr deutlich gemacht, wie das Thema Ressourcenknappheit die Transformation maßgeblich beeinflusst. Darüber hinaus sind auch viele Technologien noch zu neu – wie z. B. die SAP Business Technology Platform (SAP BTP), die in vielen Szenarien eine Rolle spielt.
Lizenzierung als Herausforderung
Ankündigungen von SAP und Oracle bringen mit ihren möglichen Varianten bezogen auf die Transformation zudem Lizenzfragestellungen mit sich. „Diese Fragen stellen jeden Kunden aufgrund von Bestandslizenzen und Subskriptionsmodellen vor komplexe Herausforderungen. Diese Komplexität ist schon seit jeher ein wunder Punkt bei den Kunden“, so Pfeil. Klarheit hinsichtlich der eigenen Lizenzsituation sei in der Regel nicht vorhanden. Durch die zu subskribierenden Cloud-Lösungen kommen nun Kosten hinzu, die kein Lizenzinvestment mehr sind. Und eine Umstellung auf andere Technologien bedingt ebenfalls eine Transformation von Bestandsverträgen. Ein bekanntes Beispiel ist hier die Umstellung auf SAP S/4HANA. „Wie mit den Bestandslizenzen umzugehen ist, sofern neue Lösungen beschafft werden, ist in vielen Fällen unklar. Deshalb arbeiten wir als Arbeitskreis Healthcare eng mit dem DSAG-Fachvorstand Lizenzen zusammen, um für Transparenz im Dschungel der Lizenzmetriken zu sorgen“, fasst Pfeil zusammen.
Orientierung für die SAP-Healthcare-Community
Die DSAG-Infotage Healthcare 2025 machten erneut deutlich, wie groß der Veränderungsdruck ist – aber auch, wie viel Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Innovation in der SAP-Healthcare-Community steckt. Sie stehen exemplarisch für die kontinuierliche Arbeit des DSAG-Arbeitskreises Healthcare, der auch im Jahr 2025 die zentralen Themen vorangetrieben und Orientierung geschaffen hat. So widmete sich der Arbeitskreis im Jahr 2025 einer Reihe von Herausforderungen, die die IT-Strategien der Kliniken maßgeblich prägen. Zu den wichtigsten Schwerpunkten zählten:
- SAP IS-H-Abkündigung
Die Auswirkungen der Abkündigung und die daraus entstehende Notwendigkeit strategischer Entscheidungen waren ein konstanter Schwerpunkt. - S/4HANA-Transition
Der Arbeitskreis unterstützte mit Informationen, Austauschformaten und konkreten Orientierungshilfen – einschließlich der Diskussion rund um die neue Transition Option bis 2033. - KIS-Strategien und Marktbewegungen
Entwicklungen im Krankenhaus-IT-Markt, neue Lösungsangebote und der Reifegrad der Nachfolgesysteme wurden kontinuierlich beobachtet und eingeordnet. - Patientenabrechnung unter S/4HANA
Auch alternative Abrechnungsmodelle standen im Fokus, insbesondere vor dem Hintergrund eingeschränkter Wahlmöglichkeiten durch Herstellerrestriktionen. - Digitalisierungsdruck in den Kliniken
Der Arbeitskreis adressierte die wachsende Notwendigkeit, Prozesse, IT-Architekturen und Datenstrukturen weiterzuentwickeln. - Umgang mit Herstellerrestriktionen
Verschärfte Rahmenbedingungen einzelner Anbieter wurden transparent gemacht und kritisch diskutiert.
Fokusthemen 2026 und Ausblick
Diese praxisorientierte Arbeit, direkt bezogen auf die Herausforderungen der Kliniken und Krankenhäuser, will der DSAG-Arbeitskreis auch im kommenden Jahr fortführen. „2026 wird zu einem Jahr, in dem viele Einrichtungen ihre strategischen Weichen endgültig stellen müssen. Im Zentrum stehen dabei die Finalisierung der KIS-Strategien nach der IS-H-Abkündigung, die Sicherstellung der Abrechnungsfähigkeit unter den veränderten Herstellerbedingungen sowie der Umgang mit eingeschränkter Unterstützung einzelner Anbieter. Gleichzeitig werden zahlreiche Häuser in konkrete S/4HANA-Transformationsprojekte eintreten, während die Digitalisierung des Klinikalltags weiter an Bedeutung gewinnt“, ordnet Pfeil ein.
Ausblick auf das Arbeitskreisjahr 2026
Um die Community in dieser Phase zuverlässig zu begleiten, setzt der Arbeitskreis auch 2026 auf einen intensiven Austausch mit Herstellern und auf eine breite Palette von Formaten, die Orientierung, Transparenz und Wissenstransfer bieten sollen. Dazu gehören die Fortführung bewährter Arbeitskreisformate wie Online-Sessions und Infotage, fachliche Impulse und Praxisberichte auf impulsant-dsag.de sowie die Vorbereitung weiterer Informations- und Austauschveranstaltungen. Ein Schwerpunkt werden die KIS-Abrechnungstage im November 2026 sein, die sich vertieft den Abrechnungsprozessen und deren Anforderungen widmen. Bereits im ersten Quartal ist zudem ein weiteres Arbeitskreistreffen geplant. Details zu den geplanten Aktivitäten werden im DSAG-Arbeitskreis Healthcare im DSAGNet zeitnah veröffentlicht. „Als Arbeitskreissprecher kann ich nur dazu aufrufen, aktiv an den DSAG-Veranstaltungen teilzunehmen, den Veränderungsdruck ernst zu nehmen und frühzeitig die technologischen Weichen zu stellen“, fasst Pfeil abschließend zusammen.
Zum DSAG-Arbeitskreis Healthcare
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