Umsetzung der E-Rechnungspflicht: Umfrage zeigt Hürden
Viele Unternehmen kämpfen mit Standards, Systemintegration und Formaten
Seit Januar 2025 ist die E-Rechnung Pflicht – doch viele Unternehmen tun sich mit der Umsetzung schwer. Die aktuelle DSAG-Umfrage zeigt, dass technische Hürden, fehlende Standards und unklare Vorgaben den Fortschritt bremsen. Besonders der Versand strukturierter Rechnungen stellt Unternehmen vor Herausforderungen.

Seit dem 1. Januar 2025 sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, elektronische Rechnungen gesetzeskonform zu empfangen und zu versenden. Doch auch ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der E-Rechnungspflicht zeigt sich: Die Umsetzung stockt – vor allem beim Versand.
Umsetzung der E-Rechnungspflicht: Viele Unternehmen hinken hinterher
Im Mai 2025 führte die DSAG unter ihren Mitgliedsunternehmen eine Online-Umfrage durch, an der 213 Personen teilnahmen. Ziel war es, den aktuellen Stand der E-Rechnungs-Implementierung zu erfassen und mit den Ergebnissen einer früheren Erhebung aus dem November 2024 zu vergleichen. Die Umfrage zeigt: Die Unternehmen nehmen das Thema ernst, doch die operative Umsetzung verläuft weiterhin schleppend.
Während 77 Prozent der befragten Unternehmen bereits eine Lösung für den Empfang elektronischer Rechnungen etabliert haben, verfügen nur 26 Prozent über eine technische Lösung für den Versand. 37 Prozent der Teilnehmenden gaben an, die E-Rechnungspflicht derzeit noch nicht oder nur teilweise zu erfüllen.
Zugleich zeigt die Umfrage, dass zirka 70 Prozent der Unternehmen von weniger als 20 Prozent ihrer Lieferanten elektronische Rechnungen erhalten. Trotz steigender Sensibilisierung stellen vor allem heterogene Systemlandschaften, technische Unklarheiten und unklare gesetzliche Vorgaben erhebliche Umsetzungsbarrieren dar.
E-Mail bleibt dominanter Übertragungsweg – trotz Limitierungen
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Die E-Mail ist weiterhin der am häufigsten genutzte Übertragungsweg – sowohl für eingehende als auch ausgehende Rechnungen. Zwar erfüllt der Versand strukturierter Rechnungen per E-Mail formal die gesetzlichen Anforderungen, doch aus Sicht der DSAG kann dies nur eine Übergangslösung sein.
Viele eingehende Rechnungen entsprechen nicht dem geforderten XML-Standard oder weisen fehlerhafte Formate auf. In den offenen Antworten wurde unter anderem auf folgende Probleme hingewiesen:
- inkompatible oder unvollständige XML-Dateien,
- veraltete Formate wie ZUGFeRD 1.0,
- nicht konforme X-Rechnungen,
- selbst entwickelte XML-Formate ohne Standardbezug.
Der Versand über strukturierte Kanäle wie Peppol ist laut Umfrage weiterhin die Ausnahme.
SAP Document and Reporting Compliance (DRC): Nutzung begrenzt, Bedarf an Standardisierung
Die Umfrage hat auch ergeben, dass SAP Document and Reporting Compliance (DRC) von der Mehrheit der Antwortenden aktuell nicht eingesetzt wird. Stattdessen greifen zahlreiche Betriebe auf Lösungen von Drittanbietern zurück, sodass sich eine heterogene Landschaft entwickelt hat. Als Gründe dafür werden häufig genannt: zu hohe Kosten und intransparente Lizenzmodelle, fehlende branchenspezifische Ausprägungen sowie Integrationsprobleme in bestehende SAP-Systemumgebungen. Zudem fehlt partiell die Unterstützung spezieller SAP-Module.
DSAG-Fachvorstand Stephan Hüttmann hebt hervor, dass SAP DRC technisch leistungsfähig und ausgereift sei, aber noch stärker auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Unternehmensgrößen und Branchen zugeschnitten werden müsse. Flexiblere, nutzungsorientierte Modelle und eine vereinfachte technische Implementierung könnten hier für mehr Akzeptanz sorgen.
Zugleich zeigt die Umfrage, dass viele Unternehmen mit komplexen Mischlösungen arbeiten – etwa durch die Kombination von E-Mail-Workflows, OCR-Tools, Drittanbieter-Add-ons oder Eigenentwicklungen. Diese erfüllen zwar die gesetzlichen Mindestanforderungen, erhöhen jedoch die Komplexität und den Integrationsaufwand.
Darüber hinaus kritisiert die DSAG auf regulatorischer Ebene die fehlende Standardisierung. Die aktuell vorgesehene Formatfreiheit erschwert die Umsetzung erheblich, da sie individuelle Vereinbarungen zwischen Geschäftspartnern notwendig macht und zusätzliche Kosten verursacht. Die DSAG spricht sich deshalb für die verpflichtende Einführung eines einheitlichen, strukturierten Formats aus – konkret der XRechnung in Kombination mit dem Übertragungsweg über Peppol. Ein solcher Standard würde Klarheit schaffen, die Effizienz steigern und die digitale Transformation im Rechnungswesen nachhaltig unterstützen.
DSAG fordert praxisnahe, differenzierte und transparente Lösungen
Die DSAG spricht sich für eine klarere Produktstrategie von SAP aus – mit stärkerer Differenzierung nach Unternehmensgröße und Branche sowie frühzeitiger Bereitstellung technischer Informationen. Denn: Die E-Rechnung ist kein temporärer Trend, sondern ein dauerhaft gesetzlich verankerter Standard. Unternehmen brauchen verlässliche, integrierbare und wirtschaftlich tragfähige Lösungen.
Fazit: Die E-Rechnung ist da – die Umsetzung bleibt anspruchsvoll
Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich: Die gesetzliche Verpflichtung zur E-Rechnung ist in den Unternehmen angekommen. Doch die vollständige Umsetzung bleibt ein komplexes Vorhaben. Standardisierte, wirtschaftlich sinnvolle und branchentaugliche Lösungen fehlen häufig – ebenso wie verlässliche Integrationen in bestehende SAP-Landschaften.
Aus Sicht der DSAG kann eine stärker differenzierte SAP-Strategie nicht nur die Marktakzeptanz erhöhen, sondern auch den Integrationsaufwand und die Abhängigkeit von Drittanbietern deutlich reduzieren.
Unterstützung durch die DSAG
Die DSAG begleitet ihre Mitglieder aktiv bei der Umsetzung der E-Rechnungspflicht – durch die Arbeitsgruppe „Electronic Invoicing and Reporting“ sowie regelmäßige Austauschformate, in denen Best Practices identifiziert und Lösungen gemeinsam weiterentwickelt werden. Wer noch mehr praxisnahe Tipps möchte, meldet sich am besten direkt für die DSAG-Thementage „Elektronische Rechnungen und Dokumente in Deutschland, EU, Welt mit SAP und Add-ons“ am 07. und 08. Oktober 2025 in St. Leon-Rot an.
DSAG-Thementage: Elektronische Rechnungen und Dokumente in Deutschland, EU, Welt mit SAP und Add-ons
Wie gelingt die Umsetzung der E-Rechnung mit SAP – national, europäisch und global? Bei den DSAG-Thementagen im Oktober erfahren SAP-Anwenderunternehmen, wie aktuelle gesetzliche Anforderungen und internationale Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden. Im Fokus stehen Erfahrungsberichte, SAP-Lösungen, Add-ons und länderspezifische Einblicke – von Deutschland bis Malaysia.
Highlights u. a.:
- SAP-Strategie & DRC-Entwicklung
- E-Rechnung Deutschland: gesetzlich & technisch
- Praxisberichte & Projektansätze
- Globale Einblicke: Polen, Frankreich, Brasilien u. v. m.
- DRC & Lizenzthemen international
- SAP BTP & Administrator-Perspektiven
Die DSAG-Thementage „Elektronische Rechnungen und Dokumente in Deutschland, EU, Welt mit SAP und Add-ons“ finden am 07. und 08. Oktober 2025 in St. Leon-Rot st
Weitere spannende Inhalte zur E-Rechungspflicht
DSAG-Podcast: E-Rechnung und SAP
Welche Lösungen bietet SAP, insbesondere mit SAP Document and Reporting Compliance (DRC), für die technische Umsetzung? Das erfahren Sie im Podcast mit DSAG-Arbeitskreissprecher Electronic Invoicing & Reporting, Colin Blöcher.
E-Rechnung bei REHAU
Mit SAP Document and Reporting Compliance (SAP DRC) und ergänzender Workflow-Software hat REHAU Industries die E-Rechnungspflicht effizient umgesetzt – und dabei in nur vier Wochen den Rechnungseingang über PEPPOL produktiv gestellt. Ein Erfahrungsbericht über Projektstruktur, Lessons Learned und die Herausforderungen durch Formatvielfalt.
Informationen im DSAGNet
Relevante Inhalte zur Umsetzung der E-Rechnungspflicht werden nicht nur in den entsprechenden Gremien im DSAGNet behandelt, sondern sind auch auf der „Themen-im-Fokus“-Seite zu finden.
Lessons learne
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