SAP EU AI Cloud stärkt digitale Souveränität
DSAG-Einschätzung zu SAP EU AI Cloud: Mehr Wahlfreiheit, mehr Souveränität
Mit der EU AI Cloud bündelt SAP zentrale Bausteine für souveräne KI- und Cloud-Lösungen in Europa. Neue Bereitstellungsmodelle, eine stärkere Partnerintegration und hohe Investitionen sollen digitale Souveränität stärken. Aus Sicht der DSAG sind diese Schritte wichtig – gleichzeitig bleibt entscheidend, wie transparent Roadmaps, Governance und Kosten künftig ausgestaltet sind.

EU AI Cloud als europäisches Full-Stack-Angebot
Mit der Einführung der EU AI Cloud schafft SAP einen zentralen Rahmen für souveräne KI- und Cloud-Lösungen in Europa. Bestehende Angebote werden hier gebündelt, sodass Kunden das jeweils passende Maß an Souveränität wählen können – etwa über die folgenden Angebote:
- SAP Cloud Infrastructure
Eine flexibel skalierbare Infrastruktur, die global sowie standortspezifisch in Europa und Deutschland verfügbar ist – inklusive Betrieb in Umgebungen mit VS-NfD-Anforderungen.
- SAP Sovereign Cloud On-Site
Die souveräne Cloud-Option, die es ermöglicht, SAP-Cloud-Services im eigenen Rechenzentrum unter Betrieb von SAP zu betreiben und volle Kontrolle über Daten zu behalten.
- EU AI Cloud
Ein neues Angebot mit dedizierten KI-Modellen und Anwendungen ausgewählter Anbieter wie Mistral und Coher, entwickelt für sichere und leistungsfähige KI-Bereitstellung innerhalb der EU.
- DELOS Cloud GmbH
Ergänzend dazu steht die DELOS Cloud GmbH als Anbieter souveräner Cloud-Lösungen auf Microsoft-Azure-Technologie für besonders sensitive und regulierte Einsatzbereiche zur Verfügung.
Für die DSAG sind diese Ansätze grundsätzlich positiv, da sie zentrale Anforderungen ihrer Mitglieder berücksichtigen. Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector, betont: „Unsere Erwartung ist, dass Wahlfreiheit bei Infrastruktur, Plattform und Software konsequent umgesetzt wird.“


Fokus auf EU-Datenhaltung und flexible Deployment-Modelle
SAP stellt die Datenhaltung in der EU sowie vollständige Souveränität über Infrastruktur, Plattform und Software in den Mittelpunkt. Dafür werden flexible Bereitstellungsmodelle angeboten – etwa SAP Sovereign Cloud auf SAP Cloud Infrastructure (EU), On-Site-Betrieb in kundenseitig ausgewählten Rechenzentren, ausgewählte Hyperscaler je nach Markt sowie in Deutschland das Delos-Cloud-Angebot auf Basis von Microsoft Azure. Für die DSAG ist diese Vielfalt ein wichtiger Schritt, da somit Compliance-, Regulierungs- und Datenschutzanforderungen besser abgedeckt werden.

Integration europäischer und internationaler KI-Modelle
Mit der Einbindung von Partner-KI-Unternehmen erweitert SAP das Ökosystem souveräner KI-Funktionen. Neu ist die Integration von Cohere North in die SAP Business Technology Platform (BTP) für agentenbasierte, multimodale KI. Ergänzend gehören Modelle wie Mistral zum Ökosystem, ebenso wie weitere KI- und Cloud-Anbieter, die über die BTP eingebunden werden. Aus DSAG-Sicht kann diese Integration den Zugang zu modernen KI-Fähigkeiten erleichtern, ohne eine vollständige Abhängigkeit von US-Hyperscalern zu schaffen. Haag erklärt: „Wichtig ist, dass technische und rechtliche Souveränität auch bei Partnermodellen gewährleistet bleibt.“
Bereits angekündigte Schritte zur Stärkung der Souveränität
SAP hatte die Erweiterung seines Souveränitätsportfolios bereits zuvor angestoßen. So wurde das Portfolio der SAP Sovereign Cloud mit dem neuen On-Site-Modell erweitert und ein Investitions-Commitment von über 20 Milliarden Euro für Europas digitale Souveränität angekündigt. Zudem startete das Projekt Industrial AI Cloud mit Partnern wie Deutsche Telekom AG, NVIDIA und Siemens für hochleistungsfähige KI-Infrastruktur in Europa und SAP vertiefte die Zusammenarbeit mit dem französischen KI-Ökosystem.
Relevanz für Mittelstand, öffentliche Hand und DSAG-Mitglieder
Besonders für den deutschen Mittelstand und die öffentliche Verwaltung sind die neuen Möglichkeiten der EU AI Cloud aus DSAG-Sicht von Bedeutung. Datenhaltung in der EU, souveräne KI-Funktionen und mehrere Betriebsmodelle schaffen neue Optionen für regulierte Bereiche. Die DSAG sieht darin einen „wichtigen Trend für Unternehmen mit komplexen ERP- und Cloud-Landschaften“, insbesondere aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen, und natürlich für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Gleichzeitig warnt Haag: „Souveränität darf nicht zu einem Marketing-Begriff werden – Zusagen müssen messbar und nachvollziehbar sein.“
DSAG bewertet die Gesamtentwicklung positiv
Die DSAG bewertet SAPs Kurs grundsätzlich positiv, da er zentrale Forderungen wie mehr Wahlfreiheit und mehr Souveränität erfüllt. Wenngleich der Weg in die Public Cloud vorgezeichnet bleibt, so schaffen die souveränen Angebote die Voraussetzungen dafür, dass dieser Wechsel auch tatsächlich möglich ist. Entscheidend wird nun die operative Realität: Sind zertifizierte Rechenzentren, Service-Level-Agreements (SLAs) und Kostenmodelle ausreichend? Für den Mittelstand könnte die Komplexität durch die Angebotsvielfalt steigen. Inwiefern unterstützt SAP ihre Kunden mit Orientierungshilfen bei der Auswahl und mit einem einfachen Zugang zu den Modellen? Und wie transparent wird das Partnerökosystem geführt?
Weitere aus DSAG-Sicht offene Punkte betreffen z. B. die folgenden Themen:
- Konkrete Roadmap und Verfügbarkeit der EU AI Cloud
- Preis- und Kostenmodelle, insbesondere für den Mittelstand
- Unterschiede zwischen Lizenzierungs- und Verbrauchsmodellen der verschiedenen SAP-Cloud-Angebote
- Governance und Transparenz bei Dritt-KI-Modellen wie Cohere und Mistral
- Sicherstellung technischer Souveränität bei Updates, Trainingsdaten und Logging
- Vermeidung direkter oder indirekter Datenabflüsse in Nicht-EU-Regionen
- Auditierbarkeit agentenbasierter KI-Funktionen
- Migrations- und Integrationsstrategie für bestehende SAP-Kunden
- Rechtslage, Auslagerungsrisiken sowie Verantwortlichkeiten in On-Site-Szenarien
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