Back to frontpage
Startseite Formate Textbeiträge Was kommt nach SAP IS-H?

Was kommt nach SAP IS-H?

So geht es für Kliniken und Krankenhäuser weiter: ein Update für österreichische Anwender

Wie die DSAG-Infotage Healthcare am 04. und 05. November in St. Leon-Rot zeigten, sorgt das Thema IS-H-Ablöse noch immer für Anspannung in der Healthcare-Branche. Zwar sind zahlreiche Nachfolgelösungen in Arbeit und erweitern damit potenziell das Angebot im DACH-Raum – nahezu alle etablierten Hersteller von Krankenhausinformationssystemen (KIS) entwickeln derzeit eigene integrierte Lösungen für Patientenadministration und -abrechnung. „Aber erstens kündigten einige dieser zentralen Anbieter an, künftig keine alternativen (any-KIS) Abrechnungslösungen mehr unterstützen zu wollen. Das sorgt für enorme Verunsicherung bei den Häusern. Und zweitens haben die Systeme noch keinen ausreichenden Reifegrad“, ordnet Walter Schinnerer, DSAG-Fachvorstand Österreich, ein. „Unsere Veranstaltung im November brachte die entscheidenden Player zusammen und das Schlüsselthema Interoperabilität auf den Tisch. Wir haben klargestellt, dass Kliniken mit Blick auf Abrechnungssysteme Wahlfreiheit brauchen und standardisierte Schnittstellen und offene Plattformen damit essenziell sind. Der Austausch zwischen den Häusern, KIS-Herstellern und SAP-Anwenderunternehmen in St. Leon-Rot war dafür ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Ausschreibungsverfahren der öffentlichen Hand

Während deutsche Krankenhäuser und Klinken selbst abwägen müssen, auf welchen Systemanbieter sie setzen und ob sie auf ein komplett neues KIS umziehen, unterstützt in Österreich die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) mit zwei Ausschreibungsverfahren: Das erste fokussierte den Markt rund um SAP-basierte IS-H-Nachfolger für die Patientenadministration und -abrechnung und ist seit Mitte des Jahres abgeschlossen. Das zweite Verfahren läuft noch. Es nimmt Nicht-SAP-basierte Systeme in den Blick. Eine Entscheidung wird zum Jahreswechsel erwartet.

Vorteil für Kliniken und Krankenhäuser

Anhand eines ausführlichen Kriterienkatalogs prüft die BBG verschiedene Lösungsanbieter, analysiert, inwiefern diese mit ihren Leistungen die Krankenhausbedarfe abdecken und bewertet Angebote. Mit den aus BBG-Sicht geeignetsten Unternehmen schließt die zentrale Einkaufsgesellschaft des Bundes Rahmenvereinbarungen. Davon profitieren die österreichischen Spitäler: Sie sparen sich aufwändige Recherchen und können die ausgewählten Lösungen über die BBG-Verträge unkompliziert beziehen und einsetzen.

SAP-basierte IS-H-Nachfolger

Das erste Los des Ausschreibungsverfahrens entschieden T-Systems und Partner ATSP für sich. Sie bekamen mit ihrer Lösung T-Systems Solution for HealthCare (TSHC) den Zuschlag. Das Produkt, das alle bekannten IS-H-Funktionen liefern soll, wurde für die S/4HANA-Umgebung entwickelt mit dem Ziel, Nutzer:innen eine schnelle Implementierung zu ermöglichen. Es steht im SAP-Standard-Frontend zur Verfügung und wird ab Januar 2026 auf dem österreichischen Markt ausgerollt.

Im zweiten Los wurde die Bietergemeinschaft aus SCC und GITG gelistet. Auch diese beiden Unternehmen stellen mit „GS-H“ eine Lösung auf der SAP-S/4HANA-Plattform zur Verfügung, die sämtliche Anforderungen rund um das Patientenmanagement sowie administrative und finanzielle Prozesse abdecken soll – allerdings nicht im gewohnten SAP-Frontend. Die Bereitstellung von GS-H wird  ab dem zweiten Quartal 2026 erfolgen.

„Damit haben unsere Spitäler große Markttransparenz, werden bei der Produktauswahl entlastet und bekommen eine rechtssichere Entscheidungsgrundlage“, erklärt Christoph Wuczkowski, Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen Österreich (SAGA).

Ausschreibung für i.s.h.med-Nachfolge in Aussicht

SAPs Abkündigung von IS-H folgte Anfang 2024 die Bekanntgabe von Oracle Cerner, den Support für das KIS i.s.h.med einstellen zu wollen. i.s.h.med von Oracle Cerner basiert auf der SAP-Plattform. Damit entstand ein weiteres Vakuum, das diverse Anbieter aktuell zu füllen versuchen. Um Kliniken auch bei diesem Auswahlprozess zu unterstützen, evaluiert die BBG derzeit, ob sie ein eigenes Verfahren für die Auswahl einer KIS-Nachfolge einleitet.

„Die DSAG-Infotage boten bereits eine hervorragende Übersicht über die KIS-Anbieter, die Lösungen für den österreichischen Markt anbieten. Besonders spannend war dabei zu sehen, welches KIS welchen Reifegrad hat“, so Wuczkowski. Schinnerer ergänzt: „Die Gespräche und Diskussionen haben außerdem eindrücklich gezeigt, dass sich Anbieter, die Schnittstellen zu anderen Systemen ablehnen, mit ihren Insellösungen in eine Sackgasse manövrieren. KIS, die als abgeschottete Silos arbeiten, sind sicherlich nicht die Zukunft.“

Handlungsempfehlung für Klinken und Krankenhäuser

Was bedeutet der Status quo nun für die Klinken und Krankenhäuser in Österreich? „Wenn nicht schon erfolgt, sollten sie ihre Systeme schleunigst einem Readiness-Check oder einer adäquaten technischen Analyse unterziehen. Auch wenn ein BBG-Verfahren noch läuft und ein weiteres möglicherweise folgen wird, ist jetzt nicht die Zeit, um tatenlos zu sein. Es gilt, sich breit zu informieren – z.B. auch inwiefern mögliche Cloud-Lösungen eine Option sein können. Schließlich kündigte Avelios Medical bereits an, ein vollständig neu entwickeltes, cloudbasiertes KIS bieten zu wollen und auch andere Hersteller bieten Cloud-fähige KIS-Lösungen an“, erklärt Wuczkowski. „Ebenso sollten die individuelle IT-Strategie verabschiedet und der Rahmen für notwendige Investitionen abgesteckt werden. Dazu zählt auch eine Priorisierung weiterer Projekte wie eine S/4HANA-Transformation. Dann bin ich optimistisch, dass unsere Spitäler auf aktuelle und kommende Herausforderungen gut vorbereitet sind.“

Ausblick auf 2026

Um die Community in dieser Phase zuverlässig zu begleiten, setzt die Arbeitsgruppe gemeinsam mit dem länderübergreifenden Arbeitskreis Healthcare auch 2026 auf einen intensiven Austausch mit Herstellern und auf eine breite Palette von Formaten, die Orientierung, Transparenz und Wissenstransfer bieten: Online-Sessions, Infotage, fachliche Impulse und Praxisberichte auf impulsant sowie die Vorbereitung weiterer Informations- und Austauschveranstaltungen. Ein Schwerpunkt werden die KIS-Abrechnungstage im November 2026 sein, die sich vertieft den Abrechnungsprozessen und deren Anforderungen widmen. Details zu den geplanten Aktivitäten werden im DSAGNet zeitnah veröffentlicht.

Gremien

💡 Lust, mehr zu erfahren?

Im DSAGNet finden Sie in diesen Gremien weitere Infos zum Thema. Schauen Sie rein und diskutieren Sie mit! Wenn Sie noch kein DSAG-Mitglied sind, können Sie sich hier registrieren und mehr zu den Vorteilen einer DSAG-Mitgliedschaft erfahren.

Mehr zu diesem Tag

Mehr in dieser Kategorie

Mehr von diesem Format