Neue Transition-Option ermöglicht Übergang bis 2033 – aber mit Haken
Im Januar 2025 hat SAP eine neue „SAP ERP, Private Edition, Transition- Option“ vorgestellt, die Unternehmen als Bestandteil der RISE-with-SAP-Transformation-Journey bei der Planung und Ausführung der Transformations-Strategie unterstützen soll. SAP gibt Anwendern mit einem zeitlich begrenzten Subskriptionsangebot weitere drei Jahre für ihre Transformation über das Wartungsende hinaus, was zu begrüßen ist. Doch es ist auch an Bedingungen geknüpft. Eine erste Einschätzung zum neuen Angebot geben Hermann-Josef Haag, stellvertretender DSAG-Vorstandsvorsitzender und Fachvorstand Personalwesen & Public Sector, Michael Bloch, DSAG-Fachvorstand Lizenzen, Vertragswesen & Support, sowie Michael Pfeil, Sprecher des DSAG-Arbeitskreises Healthcare.
Viele Anwender erinnern sich sicher noch an die Meldung im Handelsblatt, dass SAP ein zusätzliches Supportangebot über das Jahr 2030 hinaus anbieten möchte. Anfang Februar, wurde dann erstmals offiziell bestätigt, dass es seitens SAP eine „Transition-Option“ für die weitere Nutzung von ECC-Systemen bis 2033 geben wird.
Die kommerziellen Details dazu waren damals noch unklar, am 4. August 2025 hat SAP nun weitere Informationen bereitgestellt, die eine erste Einschätzung zulassen.

Was verbirgt sich hinter SAP ERP, Private Edition, Transition-Option?
Dabei handelt es sich um ein dediziertes Private-Cloud-Angebot von SAP, bei dem in einem RISE-with-SAP-Vertrag enthaltene ECC-Systeme mittels dieser neuen Option bis Ende 2033 weiter betrieben werden können. ECC-Systeme außerhalb der Transition-Option würden im Rahmen eines Private-Cloud-Angebotes Ende 2030 abgeschaltet.
Dabei wird es nicht für jedes ECC-Produkt auch einen optionalen Weiterbetrieb geben. Eine Auflistung der unterstützen Lösungen gibt es im SAP-Hinweis 3591251.
Allerdings ist nicht nur die Verfügbarkeit von ECC-Lösungen eingeschränkt, es sind auch diverse weitere Voraussetzungen erforderlich, um das angebotene Modell nutzen zu können.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
- Die ECC-Systeme müssen vor Ende 2030 bereits vollständig in die SAP Private Cloud migriert sein. Das geht einher mit der Aufgabe sämtlicher Nutzungsrechte und dem Wechsel in ein subskriptionsbasiertes Modell.
- HANA ist die einzig verfügbare Datenbank, insofern ist eine Migration unausweichlich.
- Es gilt eine Mindestsystemgröße von 2 TB. Sollte diese nicht erreicht werden, muss eine Mindestgröße von 2 TB subskribiert werden – mit entsprechenden Kostenauswirkungen.
- Die zu migrierenden Systeme müssen technisch auf die gemäß Hinweis 3591251 unterstützten Produkte reduziert werden. Eine 1:1-Migration wird nicht grundsätzlich möglich sein, sodass Aufwände auf Seiten der Anwenderunternehmen zu erwarten sind.
- Gemäß des auf der diesjährigen SAPPHIRE angekündigten neuen Support-Modells muss für die ECC-Systeme in der Transition-Option zwingend der teuerste Support-Plan „Max“ abgeschlossen werden.
Je nach Ausgangslage der Anwenderunternehmen ist die Nutzung der Transition-Option daher mit signifikanten Migrationsaufwänden verbunden, die sorgfältig kalkuliert und abgewogen werden müssen.
Da weitere Details zu den neuen Support-Varianten erst für 2026 angekündigt sind, ist nach derzeitigem Stand unklar, welcher prozentuale Wert für den „Max“-Plan anzusetzen ist. Ausgehend von 20 Prozent für den „Preferred Success“, der aktuell für manche SAP Cloud Services verfügbar ist, rechnet die DSAG aber mit einem höheren Wert, der natürlich in der Gesamtkalkulation zu berücksichtigen ist.
Welche Kosten sind für die Transition-Option zu erwarten?
Die separat abzuschließende Subskription wird neben dem „Max“-Support auch noch einen zusätzlichen Aufschlag auf die bestehende Subskriptionsgebühr erfordern.
Nehmen wir für ein Beispielunternehmen an, dass ECC-Systeme mit jährlichen Subskriptionskosten von 100.000 EUR aus dem bestehenden RISE-Vertrag in die Transition-Option überführt werden.
In diesem Fall muss für diese Systemlandschaft ab 2026 ein Aufschlag von 20 Prozent bezahlt werden, sodass für die gleiche Systemlandschaft dann ab 2031 jährliche Kosten in Höhe von 120.000 EUR anfallen werden.
Auf diese Summe wird dann noch der „Max“-Support fällig und nehmen wir hier an, dass dieser 30 Prozent der jährlichen Subskriptionsgebühr kosten würde, dann würden die ehemals für 100.000 EUR bepreisten Systeme plötzlich 156.000 EUR pro Jahr kosten. Hier gilt es tatsächlich abzuwarten, wie die finalen Aufschläge für die neuen Support-Pläne sowie die endgültige Berechnungslogik aussehen werden, aber die Transition-Option wird auf jeden Fall eine kostspielige Angelegenheit werden. Die obige Berechnung ist natürlich nur rein plakativ, letztendlich wird die Größe des Systems auch durch die Anzahl der FUEs bestimmt, hier kann es zu deutlichen Abweichungen nach oben kommen durch die Mindestgröße von 2 TB.
Bis Ende 2025 bietet SAP eine Promotion an, bei Abschluss eines ERP-Private-Edition-Vertrags, sodass ein prozentualer Aufschlag auf die dann ab 2031 gültigen jährlichen Kosten nicht anfallen würde. Die im obigen Beispiel genannten 20 Prozent sind derzeit nur für 2026 festgeschrieben, die Werte ab 2027 sollen zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden. Hier ist aber aus Sicht der DSAG davon auszugehen, dass diese Werte eher noch weiter steigen werden.
Es bleibt abzuwarten, wie viele Anwenderunternehmen überhaupt von der Promotion profitieren können, da die Befristung auf 2025 als sportlich zu werten ist und aufgrund der fehlenden Detailinformationen vielerorts nicht umgesetzt werden kann.
Lift-&-Shift-Ansatz in die Private Cloud
Unternehmen, die jetzt noch auf S/4HANA transformieren wollen, werden in den meisten Fällen von SAP eine Private Cloud bekomme, denn die klassischen Lizenzen werden immer unattraktiver. Das heißt: Je nach Ausgangslage und der zu erwartenden Mehrkosten für die Extended Maintenance könnte, soweit technisch möglich, ein Lift-&-Shift-Ansatz in die SAP Private Cloud vor einer S/4HANA-Transformation sinnvoll sein. Dieser Schritt dürfte in den meisten Fällen auch mit einer technischen Migration verbunden sein. Setzt ein Unternehmen weiterhin zu 100 Prozent auf ECC, wird für alles der Aufschlag für die Extended Maintenance in der On-Premises-Welt zu bezahlen sein. Aber der Weg wird dennoch irgendwann in die Cloud führen.
Generell ist es sinnvoll, sich über die Kostenauswirkungen bewusst zu werden und sich von SAP ausrechnen zu lassen, was die heutige SAP-Landschaft in der SAP Private Cloud kosten wird. Plus die Kosten für die externe Unterstützung für die entsprechende Evaluierung. Nach dem Wechsel in die Private Cloud Edition wäre der Weg nach S/4HANA dennoch unvermeidlich, bzw. alternativ müssten die ab 2031 anfallenden Strafgebühren mit einkalkuliert werden. Diese wären nach der Veröffentlichung der Preise für die neuen Support-Pläne zumindest relativ gut plan- und kalkulierbar.
Unternehmen, die mit Sicherheit die Frist bis Ende 2027 nicht werden halten aber auch noch nicht abschätzen können, wie es danach weitergeht, erwägen vielleicht, die Transition-Option zu nutzen und falls sie dann 2030 S/4HANA einführen, auf einen „normalen“ RISE-Vertrag zu wechseln. Hier wäre zu beachten, dass unter vertraglichen Gesichtspunkten die ECC-Systeme bei der Transition-Option aus dem RISE-Vertrag herausgelöst und separat subskribiert werden. Über welchen Zeitraum das geschehen kann, bzw. wird, ist noch mit SAP zu klären.
Bedeutung und Folgen für den Healthcare-Bereich
Etwas überraschend beinhaltet die Transition-Option auch die SAP-Branchenlösung IS-H und ist damit auch relevant für Gesundheitsorganisationen wie Kliniken und Krankenhäuser. Insbesondere diejenigen, die auf die abgekündigte Branchenlösung SAP Patientenmanagement (SAP IS-H) angewiesen sind, müssen sich mit der Komplexität der Cloud-Transformation auseinandersetzen und gleichzeitig unternehmenskritische, patientenzentrierte Operationen aufrechterhalten.
Die Möglichkeit zum Betrieb von IS-H in Verbindung mit Cloud-Verträgen über 2030 hinaus ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht sicher prüfenswert, geht aber für die in der DSAG engagierten Anwenderunternehmen am eigentlichen Thema vorbei. Es wird von SAP erneut massiver Zeitdruck aufgebaut, ohne den Kunden im Umfeld kritischer Infrastrukturen (KRITIS) die Option zu geben, Lösungen zu vergleichen und sich entsprechend der eigenen Anforderungen die am besten geeignete auszuwählen.
IS-H wird, wie die meisten anderen SAP-ECC-Lösungen, ab 2028 erst einmal in die Extended Maintenance übergehen. Diese muss in der SAP Private Cloud nicht bezahlt werden, da die Kosten in den Subskriptionsgebühren beinhaltet sind. Demnach wäre es möglich, in diesem Jahr noch den PCE-Vertrag zu unterschreiben, in die Cloud zu migrieren, keine Extended Maintenance zu bezahlen und ab 2031 die Transition-Option zu ziehen. Inwieweit dieses Szenario für ein Unternehmen Sinn macht, muss genau berechnet werden.
Hinsichtlich des Datenschutzes und des Betriebs von Gesundheitsdaten in Cloud-Systemen sind noch viele Punkte offen und ungeklärt, wie die Ausfallsicherheit und Redundanzsysteme. Offen ist in dem Zusammenhang auch die Rolle der Business Technology Plattform in der neuen SAP-Strategie, deren Notwendigkeit aktuelle Projekte in diesem Umfeld zeigen. Kombiniert mit den bereits dargestellten Kostenauswirkungen der Transition-Option darf an der Stelle bezweifelt werden, dass dieses Angebot im Gesundheitswesen auf große Zustimmung stoßen wird.
Für wen eignet sich die Transition-Option?
Aus Sicht der DSAG wird das Angebot „SAP ERP, Private Edition, Transition-Option“ lediglich eine Notlösung sein können, die dort zum Einsatz kommen wird, wo es gar nicht anders geht. Aufgrund der kommerziellen Rahmenbedingungen sind deutliche Mehrkosten zu erwarten und man muss an der Stelle auch sicherlich festhalten, dass SAP diese Option nicht als Massengeschäft etablieren möchte.
Da die SAP-Strategie eindeutig in Richtung Cloud geht und die ECC-Landschaft darin nur eine untergeordnete Rolle spielt, wäre eine Migration in Richtung zukunftssichererer Technologien ratsamer als ein Verbleib auf den alten Systemen.
Anwenderunternehmen, die sich mit der Transition-Option befassen müssen, sollten stets im Blick haben, welche gesamthaften Kosten damit in Verbindung stehen – angefangen mit der Subskription vor 2030 sowie den zu erwartenden Aufschlägen ab 2031, sowohl für die Option selbst als auch für den zwingend abzuschließenden Support-Vertrag.
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