SAP-BTP-Weiterentwicklung: Anwender:innen und SAP als Sparrings-Partner
Wie die AG BTP Development & Operations eine „Pain-Points-Liste“ in Nutzen umwandelt
Vor gut fünf Jahren wurde die SAP Cloud Platform in SAP Business Technology Platform (BTP) umbenannt und hat ihren Funktionsumfang im Laufe der Jahre immens auf- und ausgebaut. Damit der Anwendernutzen weiter konstant im Fokus steht, wird die SAP BTP in der DSAG-Arbeitsgruppe (AG) BTP Development & Operations konstant unter die Lupe genommen. Ein Mittel zum Zweck ist dabei die so genannte „Pain-Points-Liste“, eine Bündelung diverser Kundenanforderungen: Wie hier der Status quo ist, was Anwendern am meisten auf der Seele brennt und was schon erreicht wurde, das berichtet das Sprecher-Team Nico Katz, Christian Braukmüller und Maximilian Krcmar sowie Steffen Schad, Produktmanager für SAP BTP bei der SAP SE, im Interview mit der impulsant-Redaktion.

Die SAP Business Technology Platform (BTP) ist eine Konstante im SAP-Ökosystem und begleitet viele SAP-Anwender:innen im Alltag. Mit Hilfe der sogenannten „Pain-Points-Liste“ haben DSAG-Mitglieder seit 2024 einen effizienten Weg gefunden, der ihre Anforderungen als direktes Feedback an SAP zusammenfasst. Wie wird diese Liste seitens SAP wahrgenommen – und viel wichtiger, was bewirkt sie?
Christian Braukmüller: Die „Pain-Points-Liste“ fasst wiederkehrende Anforderungen von DSAG- Mitgliedern zusammen, die im direkten Austausch und in Vorträgen thematisiert wurden. Die Punkte der Liste sind als Rückmeldungen zu verstehen – ehrlich, ungefiltert und 1:1 aus dem realen Anwenderalltag. Dieses Feedback sammeln wir, bewerten es gemeinsam mit SAP und versuchen so, die unterschiedlichsten Bedarfe mit signifikanter Relevanz abzudecken. Schließlich unterliegen regulierte Branchen wie Pharmazie, Biotechnologie und Medizinprodukteherstellung anderen Anforderungen und Vorgaben als ein Hersteller von Verpackungen– denken wir allein an die Qualitätsrichtlinien „Good x Practice (GxP)“. Uns ist es sehr wichtig festzuhalten, dass wir für SAP nicht in einer Liste aufschreiben wollen, was es alles zu ändern gäbe. Sondern wir wollen rechtzeitig auf Herausforderungen für die Anwender:innen aufmerksam machen, auf Situationen, die Kunden nicht in Eigenregie lösen können oder sollten. SAP als Hersteller soll hier die Chance gegeben werden, zu agieren.
Steffen Schad: Volle Zustimmung meinerseits! Auch wenn diese Aufzählung an Pain Points, und der Begriff an sich, für uns als Hersteller eventuell erst mal schmerzhaft sein kann, überwiegt definitiv das Positive – denn nur dank der Rückmeldungen und auch Wünsche und Ideen der Anwender können wir als Hersteller handeln und unser Angebot dem Bedarf anpassen und optimieren, soweit das für eine breite Masse machbar und sinnvoll ist.
Ist die SAP BTP mittlerweile angekommen im Anwenderalltag, Stichwort Akzeptanz und Nutzung?

Braukmüller: Im Großen und Ganzen definitiv ein „Ja“ hier von Anwenderseite. Wobei man sich immer im Klaren sein muss, dass wir es hier nicht mit einem S/4HANA-Stack zu tun haben, der im Kern bei den Anwender:innen überall gleich und standardmäßig eingesetzt wird. Ganz im Gegenteil, wir haben es hier mit einer Plattform zu tun, die bei zehn Kunden mit zehn total unterschiedlichen Szenarien zum Einsatz kommen kann. Und das zieht immer auch eine sehr unterschiedliche Herangehensweise nach sich: Die einen sehen die SAP BTP als Entwicklungsplattform und haben direkt losgelegt, andere nutzen sie über die SAP Integration Suite und wieder andere beginnen jetzt erst und steigen über spezielle AI-Szenarien ein. Und all das zieht natürlich eine lange Liste an Fragestellungen nach sich, sei es zur Lizenzierung, den Kosten oder der Verrechnung und viele weitere Themen – und diese finden sich dann in ihrer Bandbreite in der Pain-Points-Liste wieder.
Maximilian Krcmar: Und ganz wichtig ist auch: Ja, die SAP BTP gibt es nun bereits mehrere Jahre am Markt und ja, sie bietet ein breit aufgestelltes Service-Portfolio, aus welchem sich die Anwender:innen bedienen können, etwa, um das Thema Elektronische Rechnungsverarbeitung umzusetzen. Und ja, sie war zuvor ebenfalls schon unter anderem Namen und mit geringerem Funktionsumfang verfügbar, aber dennoch: Es gibt nach wie vor viele Grundlagenfragen zu klären, einige Kunden haben hier noch Nachholbedarf, auch bezüglich Adaptionen, das hat man auch ganz konkret beim DSAG-Jahreskongress im September gemerkt. Und bevor wir in den einzelnen Influence-Requests und Votes untergehen, die auf SAP regelmäßig einprasseln, haben wir uns dafür entschieden, diese Pain-Points-Liste – oder auf Deutsch auch gerne „Verbesserungsanforderungsliste“ – ins Leben zu rufen. Unser Hauptziel: Den Schmerz eliminieren, essenzielle Weiterentwicklungsvorschläge für die Architektur zu bündeln und noch weiße Flecken bei der Kommerzialisierung und der Enterprise Readiness zu schließen.
Was ist der wichtigste Unterschied zu den Influence Requests?

Schad: Selbstverständlich arbeiten wir auch hier eng mit den Verantwortlichen zusammen, denn die einzelnen Produkt- und Service-Teams auf SAP-Seite haben ebenfalls ein großes Interesse daran, dieses Feedback in die BTP-Roadmaps einzuarbeiten. Aber Fakt ist einfach auch, dass die BTP mittlerweile ein solch umfangreiches Service-Portfolio anbietet, dass es hier schlicht und ergreifend mehr als nur eine Aktivität braucht, um alles zu sammeln, einzuordnen und abzuarbeiten. Für uns als SAP ist es sehr wertvoll, einen Gesamtüberblick zu bekommen – und den erhalten wir dank der Pain-Points-Liste, quasi eine Prio-1-Liste mit flächendeckenden Anforderungen und ein wertvolles Stimmungsbild. Via Influence Requests bekommen wir ja „nur“ Details zu einzelnen Produkt-Features und Funktionen aus den einzelnen Service-Teams. Aber wie bereits erwähnt, wir brauchen ein Gesamtbild und dank dieser Herangehensweise haben wir eine konstante bidirektionale Kommunikation und können so Anfragen aus der Kundenrealität besser einschätzen und bearbeiten.
Nico Katz: Das sehen wir genauso, denn hierüber ist eine Zusammenarbeit möglich, die sich von Einzelfragen hin zu größeren Themenbündelungen entwickelt. Das wiederum stößt eine inhaltlich relevante Diskussion an und ermöglicht ein Verständnis, das bspw. innerhalb eines Influence Requests gar nicht möglich wäre.
AG BTP Development & Operations
Die Arbeitsgruppe BTP Development & Operations mit ihren mehr als 1.600 Mitgliedspersonen befasst sich mit allen Themen rund um die Business Technology Platform (BTP) und richtet sich an Entwickler, Architekten, technische Projektmanager und das BTP Operations-Team mit Interesse am Austausch zu Betriebs-, Erweiterungs- und Entwicklungsfragen in hybriden Systemlandschaften.
Welche Themen sind weit oben gelistet und weshalb?

Krcmar: Zur Zeit umfasst dies Themen wie Kosten und Lizenzierung. Weitere aktuelle Pain Points sind auch Governance, Strategie, Konsistenz, Stabilität und Zusammenarbeit sowie Entwicklerfragen. Aber auch die Themen Identity Management oder Zertifikats-Management brennen vielen Anwender:innen auf der Seele und sind, vielfach auch nach wie vor noch offen. Hinzu kommt die Hyperscaler-Strategie, also dass einige Services nur bei einer Auswahl von Hyperscalern verfügbar sind und nicht durchgängig bei allen.
Schad: Es sind wirklich viele Themen, und wir priorisieren sie gemeinsam Punkt für Punkt. Wichtig ist der konstante und ehrliche Austausch. Und manchmal ist es erforderlich, dass wir etwas ablehnen. Nicht nur, weil wir es von Anbieterseite her anders sehen, sondern auch, weil wir immer die Homogenität der Plattform im Blick behalten müssen. Wir sind bemüht, immer die perfekte Balance zwischen täglichen Betriebsthemen, neuen Features und Funktionen sowie der Roadmap-Planung zu finden.
Wie erreicht man diese Balance? Und was lässt sich noch optimieren?
Schad: Der Markt entwickelt sich rasend schnell weiter und der Bedarf an neuen Features und Innovation ist immens, Gleichzeitig entdecken Kunden während des Einsatzes der Plattform auch immer wieder Bedarf zur Nachbesserung bei existierenden Funktionen. Am Ende des Tages wollen wir zufriedene Kunden haben, deshalb haben wir auch ein großes Interesse an der Aufrechterhaltung dieses „Formats“ und an dieser wirklich konstruktiven Zusammenarbeit.

Katz: Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mir am Anfang vorkam wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen – wobei ich nicht einmal wusste, gegen wen ich antrete, weil sie sich am Anfang alle weggeduckt haben. Mit Steffen Schad haben wir jetzt aber einen zentralen Ansprechpartner und bei einigen Themen wirklich schon viel bewegen können. Verbesserungspotenzial sehe ich noch bei der gremienübergreifenden Abstimmung über die zentralen Themen. Hierzu sollten sowohl der Kreis des Fachbeirates, als auch das Funktionsträgerforum, die Projekträume und zukünftig vielleicht sogar eine eigenständige Tool-Lösung genutzt bzw. in Betracht gezogen werden. Und natürlich sind wir auf das Engagement unserer Mitgliederkolleg:innen angewiesen: Beteiligt euch aktiv, bringt euch ein, eure Ideen, Wünsche, aber auch Probleme und bewegt gemeinsam mit uns die BTP immer weiter nach vorne!
Kommende Veranstaltungen:
10. Februar 2026: Zukunftstag Development 2026
11. Februar 2026: Präsenztreffen des Arbeitskreises Development
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