Zugang zu Test, Demo- und Development-Systemen für Partner muss direkt, einfach, vollumfänglich sein
Schwierige Rahmenbedingungen für Partner, die SAP-Software zu Test-, Demo- und Development-Zwecken benötigen
Zahlreiche SAP-Projekte weltweit werden nicht vom Software-Konzern selbst, sondern von Partnern umgesetzt oder betreut. Damit sind Partner essenziell für den Erfolg von SAP. Und doch machen es die Walldorfer den Partnern, die die SAP-Software zu Test-, Demo- und Development (TDD)-Zwecken beziehen müssen, derzeit schwer.

Die SAP-Strategie der vergangenen Jahre zeigt: Das Ökosystems wird beim Walldorfer Software-Konzern immer wichtiger. Den Partnern kommt als Mittler zwischen SAP und den Anwendern eine zentrale Rolle zu – sei es als Reseller von SAP-Lösungen, als Berater oder Entwickler von Add-ons. Sie sind es, die die Software bei den Kunden platzieren, implementieren, vertreiben sowie Erweiterungen, Integrationen und Anwendungen für SAP-Lösungen entwickeln. „Dieser Rolle können wir allerdings nur gerecht werden, wenn SAP uns Zugang zur aktuellen Software gibt“, erklärt Loren Heilig, Sprecher der DSAG-Themengruppe Test, Demo & Development. „Und hier hakt es aktuell – an vielen Stellen.“
Partner: Selbstverständnis vs. Realität
„Um ganz im Sinne der SAP einen qualitativ hochwertigen Service beim Kunden leisten zu können, müssen wir die Software kennen, verstehen und damit schon gearbeitet haben“, so Heilig. „Das entspricht auch unserem Selbstverständnis als Partner: Wir müssen die Chance haben, im Vorfeld Wissen aufzubauen, damit wir die Anwender:innen kompetent beraten und unterstützen können. Es kann nicht sein, dass wir das erste Mal mit Neuerungen auf den Kundensystemen in Kontakt kommen.“
Knackpunkt: Verfügbarkeit von TDD-Umgebung für Cloud-Produkte
In der Vergangenheit lief die Zusammenarbeit recht reibungslos: SAP ermöglichte den Partnern für ihre Test-, Demo- und Development (TDD)-Zwecke Zugang zu den On-Premises-Lösungen – und das über eine zentrale Stelle. Zudem veröffentlichte SAP eine Kommerzialisierungs-Roadmap, aus der kommende Versionen ersichtlich waren. Die Partner konnten sich so mit den Systemen vertraut machen und ihren Kundenservice passgenau darauf aufbauen. Seit SAP ihre Cloud-Strategie verfolgt und zahlreiche neue Zukäufe und Partnerschaften verzeichnet, ist es für Partner deutlich herausfordernder, an die neuen Produkte zu kommen, um sie in der TDD-Umgebung zu prüfen. Auch die zentrale Information, die den Partnern kommende Versionen ankündigt, hat SAP eingestellt.
Das sind die Hürden, vor denen Partner stehen:
- Zugangsregelung: Der Zugang zur TDD-Umgebung wird von SAP von Produkt zu Produkt verschieden geregelt und vergeben. Heißt: Partner, müssen für alle benötigten Lösungen auf das entsprechende SAP-Produktmanagement einzeln zugehen. Es gibt keine zentrale Vergabestelle – ein enormer Aufwand.
- TDD-Verfügbarkeit: Während neue Produkte für Kunden bereits verfügbar sind, fehlt für Partner der TDD-Zugang. Das erschwert es ihnen, die Anwender zu den Neuerungen zu beraten und die Lösungen zu vertreiben. Dabei sollten alle Services bzw. Lösungen auf der Kundenpreisliste über TDD für Partner im gleichen Funktionsumfang und mindestens zeitgleich zur Verfügung stehen.
- Integrated Toolchain: Unter der integrierten Toolchain versteht SAP einen ganzheitlichen Ansatz und ein umfassendes Portfolio unterschiedlicher Lösungen, mit dem die Phasen der Transformation unterstützt und das Application Lifecycle Management innerhalb von SAP-Landschaften gemanagt werden kann. Partner, die basierend auf diesem Ansatz aktiv werden möchten, stehen jedoch vor verschiedenen Herausforderungen im TDD-Umfeld.
- Produktzukäufe: Insbesondere bei Produktzukäufen sind Zuständig- und Verantwortlichkeiten unklar. Das führt dazu, dass Partner nur mit viel (Zeit-)Aufwand oder überhaupt keinen TDD-Zugang zu neuen Lösungen erhalten. Oftmals wird es außerdem notwendig, separate Verträge mit Unternehmen wie Tricentis, UIPath oder Databricks abzuschließen – sofern diese dazu bereit sind.
- Cloud ALM: SAP stellt das zentrale Tool SAP Cloud Application Lifecycle Management (ALM) jedem Kunden nur einmal zur Verfügung. Partner, die selbst SAP-Anwenderunternehmen sind, erhalten somit nur diesen einen Zugang zur produktiven Nutzung, aber keinen weiteren TDD-Zugang, den sie für ihren Kundenservice aber dringend benötigen.
- Produktzukäufe: Insbesondere bei Produktzukäufen sind Zuständig- und Verantwortlichkeiten unklar. Das führt dazu, dass Partner nur mit viel (Zeit-)Aufwand oder überhaupt keinen TDD-Zugang zu neuen Lösungen erhalten. Oftmals wird es außerdem notwendig, separate Verträge mit Unternehmen wie Tricentis, UIPath oder Databricks abzuschließen – sofern diese dazu bereit sind.
- Business AI: Der Zugang zu Business-AI-Services in einer TDD-Umgebung fehlt. Partner können Tools wie SAP Joule Studio heute nicht testen, validieren und tun sich schwer, mit Blick auf die KI-Agenten neue Lösungen zu entwickeln.
Konstruktive Lösungsfindung mit SAP
Die Herausforderungen sind groß, die Rahmenbedingungen für Partner derzeit alles andere als ideal. Heilig fasst zusammen: „Wir haben die Themen bereits adressiert. Nun gilt es, mit SAP in einen konstruktiven Austausch zu gehen. Schließlich ist es in unser aller Interesse, dass die Lösungen, ob On-Premises oder in der Cloud, bei den Anwender:innen ankommen und erfolgreich eingesetzt werden. Dafür braucht es die kompetente Unterstützung von uns Partnern – und folglich von SAP ein deutliches Entgegenkommen bei den genannten Punkten, damit wir unserer Arbeit auch nachkommen können.“
Gremien
💡 Lust, mehr zu erfahren?
Im DSAGNet finden Sie in diesem Gremium weitere Infos zum Thema. Schauen Sie rein und diskutieren Sie mit! Wenn Sie noch kein DSAG-Mitglied sind, können Sie sich hier registrieren und mehr zu den Vorteilen einer DSAG-Mitgliedschaft erfahren.
Mehr zu diesem Tag
Verkaufsstopp von SAP Business ByDesign für Neukunden
Was Anwender jetzt wissen sollten
Supplier Qualification of Cloud Service Providers for GxP-Regulated Industries, Using SAP as an Example
With this position paper, SAP and DSAG are addressing cloud service customers in GxP-regulated industries. Its aim is to provide guidance on internal supplier risk management and to clearly formulate how future supplier qualifications should be implemented effectively. At the same time, this paper also addresses the community of regulators and inspectors, with the expectation […]
„Wir geben dem wachsenden Bedarf nach Orientierung und Austausch ein Zuhause“
Das Sprecherteam des Arbeitskreises S/4HANA Public Cloud im Interview
Mehr in dieser Kategorie
Lieferantenqualifizierung von Cloud-Service-Providern für GxP-regulierte Industrien am Beispiel von SAP
Mit diesem Positionspapier richten sich SAP und DSAG an die Cloud-Service-Kund:innen der GxP-regulierten Industrien mit dem Ziel: Orientierung zum internen Lieferantenrisikomanagement geben und klar formulieren, wie künftige Lieferantenqualifizierungen wirksam umgesetzt werden sollten. Zugleich adressiert das Papier die Gemeinschaft der Regulator:innen und Inspektor:innen mit der Erwartung, dass diese zu der formulierten Position Stellung nehmen. Denn nur […]
Extended Kostenvermeidung?
Was das EU-Verfahren gegen SAP wegen angeblichem Missbrauch der Marktmacht für die Kunden bedeutet Aktuell läuft ein Verfahren der EU-Kommission gegen SAP wegen angeblichem Missbrauch der Marktmacht. Eine Einschätzung von Michael Bloch, DSAG-Fachvorstand Lizenzen, Vertragswesen & Support. Was hat es mit dem EU-Verfahren auf sich? Für viele Kunden war es keine Überraschung, dass das Verfahren […]
Security-Best-Practice
Der vorliegende Leitfaden zeigt, was Unternehmen machen können, um ihre SAP Systeme resilient, revisionssicher und gesetzeskonform zu betreiben – entlang des international anerkannten NIST Cybersecurity Framework. Dabei werden sowohl technische Maßnahmen als auch organisatorische Prozesse berücksichtigt.
Mehr von diesem Format
„Traut euch, es lohnt sich!“
Inspiriert von Women@DSAG zum eigenen Buch
Die Macht eines starken Netzwerks
Women@DSAG: Neues Sprecherinnen-Team startet Mentoring-Programm Seit dem DSAG-Jahreskongress hat das Frauennetzwerk eine neue Spitze. Neben der bisherigen Sprecherin Franziska Niebauer, HELIOS Kliniken GmbH, ist nun Elisa Ziegenbein, SNP Schneider-Neureither & Partner SE, mit an Bord. Im Interview berichten die beiden von ihren Plänen mit den Women@DSAG – und dem frisch gestarteten „Female-Code-Netzwerk“. 1.443 Frauen – […]
Von S/4HANA Service bis Front-Office-Strategien
Volle Agenda beim Treffen des Arbeitskreises Servicemanagement in St. Leon-Rot